Blickpunkt „Ignatianische Spiritualität“
 
Das Ignatianische an unserer Schulpastoral – Versuch einer Annäherung
Auszug aus der Auswertung der Studientagung „Ignatianische Schulpastoral“; Herbst 2002
Wir schulen uns und andere an Schulen im Wahrnehmen (dessen, was ist; dessen, was war; was fällt mir auf), im Unterscheiden (welche Empfindungen gibt es zu verschiedenen Wahrnehmungen, welche verschiedenen Sichtweisen und Wege?? Wie finde ich dieses und jenes? Sehe/fühle ich Botschaften an mich?) und im Entscheiden (welcher Weg führt in Sackgasse?, welcher führt mich/uns weiter? Was ist gut/in Gottes Sinne zu tun?)
Konkret heißt das auch:
- Wir üben immer wieder den umfassenden Gebrauch aller Sinne, um zu einer möglichst breiten/reicheren Wahrnehmung von Menschen, (Entscheidungs-)Situationen, Ereignissen, Natur usw. kommen zu können.
- Wir pflegen an und für Schule Wahrnehmungs-, Unterscheidungs/Reflexions- und Entscheidungskultur, in Form von Besinnungsangeboten im Schulalltag, Körperübungen, Tagesrückblicken, Team- und Konferenzreflexionen, Begleitung in Entscheidungszeiten, Eröffnen von Experimentierräumen für Persönlichkeitsentfaltung (Werkwochen), usw.
Besonderer Ort der Einübung solcher WUE-Kultur sind beispielsweise Gemeinschafts-Exerzitien.
- Wir setzen weniger auf „Theorie“, sondern mehr auf das Erleben und die konkrete Erfahrung, um das verständlich und greifbar zu machen, worauf es uns ankommt bzw. was wir vermitteln wollen.
- Der Schulalltag und darüber hinaus der Alltag allgemein ist für uns der Ort, an dem wir Gott (und Gottes Willen) finden können, - nicht nur in der Liturgie. Spiritualität und pastorale Arbeit lebt für uns daher im Liebeskummergespräch mit dem Gruppenkind genauso wie in der Werkwoche, in der TutorInnenschulung oder im Gottesdienst. Der oft als „banal“ abgestempelte (Schul-)Alltag wird durch unsere ignatianische Sicht entscheidend aufgewertet, die Spiritualität aus den Wolken geholt und auf den Boden gestellt.- Das Ignatianische dieser Schulpastoral dabei ist gerade, dass sie in ihrem Blick nicht auf Schule beschränkt bleibt, sondern das ganze Leben der Schülerinnen und Schüler im Blick hat.
Wo beispielsweise Alltag und Ignatianische WUE-Kultur besonders gut verwoben werden (können) ist bei Lebenswochen/WGLs.
- Wir vermitteln in unserer ignatianischen Schulpastoral das Bewußtsein, dass Leben ein individueller Weg von Suchbewegungen und Entscheidungen und damit verbunden auch Gestaltungsmöglichkeiten ist. Zielpunkt dieses Entwicklungs- und Entscheidungsweges ist ein „Leben in Fülle“ für jede/jeden Einzelne/n an der Schule, aber auch darüber hinaus für alle Menschen. In diesem Sinne ist ignatianische Schulpastoral ganz nah am Leben und jede Menge Arbeit an sich selbst.
- Jede/-r Jugendliche geht seinen/ihren ureigenen Weg. Unsere Schulpastoral hat die Individualität der Einzelnen im Blick, in ihren je eigenen, individuellen Fähigkeiten, Grenzen, Interessen. Ignatianische Schulpastoral hat zum Ziel, Schüler und Schülerinnen in ihrem je individuellen Identitätsfindungs-Prozess zu fordern und zu fördern
- Aus der Ignatianischen Spiritualität heraus nehmen wir die Sehnsucht nach gelingender Beziehung, auch Liebesbeziehung, Gottesbeziehung ernst, vermitteln ein Bild von Gott als Freund, mit dem ich alles besprechen kann („Per Du mit Gott“). - Es ist uns in unserer Schulpastoral ein großes Anliegen, Jugendliche in Beziehungsschwierigkeiten zu unterstützen und zum Gelingen von Beziehungen beizutragen.
- Bei aller Individualität ist eine Ignatianische Schulpastoral nur aus Gemeinschaft „genährt“ und im Dienst für die (hier: Schul-)Gemeinschaft denkbar.
- Was wir für wertvoll für uns erkannt haben, üben wir im Sinne von Ignatius gerne durch Wiederholungen ein. Dies bewahrt nicht nur vor dem Streß, nach immer Neuem suchen zu müssen, sondern läßt auch wichtige spirituelle oder pastorale Elemente zu selbstverständlichen Haltungen/Verhaltensweisen von Einzelnen und ganzen Gruppen reifen.
Birgit Springer
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